============================================= DER KNAUSERER die 1. Online-Zeitung fuer Sparsame ============================================= Ausgabe 11/2009 Knauserer-Homepage: http://www.derknauserer.at Link: http://www.derknauserer.at/kn/knauserer%2011_2009.txt ----------------------------------------------------------------------- Inhaltsverzeichnis: * Intelligenter Konsum – ein Weg zum Klimaschutz (Gastkommentar von Ango) * Für euch entdeckt: Quitten * Projekt 2009: Manufaktur in Gründung (wenn aus DIY eine Zukunftsvision werden soll) * ÜBER DEN ZAUN GEGUCKT: Knauserer in Frankreich und Dänemark und sonstwo * Gedanken von Helga zu Auto und Glücklichsein * Mit kleinen Tipps viel sparen ----------------------------------------------------------------------- In eigener Sache: Der Adventkalender 2008 war ein Riesenerfolg. Deshalb möchte ich heuer wieder einen Kalender zusammenstellen, bei dem mehrere Leute was bei- steuern. Diesmal möchte ich euch ALLE um eine kleine Spende für den Adventka- lender bitten. Ein schönes Bild, ein tolles Gedicht, ein paar bissige Gedanken, eine Bastelei - alles was zu Weihnachten und eventuell auch zum Knauserer passt. Schickt eure Beiträge einfach an info@derknauserer.at und ich baue sie in den Kalender ein. Vielen Dank im voraus! ----------------------------------------------------------------------- Endlich nimmt sich jemand wieder der ganz speziellen Verknüpfung von Umweltschutz und einfachem Leben mit einer engagierten Homepage an. Hier Angos Antritts"REDE", die ich gerne bringe, da sie den Knauserer in dieser speziellen Ecke bereichert und ergänzt: * Intelligenter Konsum – ein Weg zum Klimaschutz (Gastkommentar von Ango) Der Klimawandel, die allmähliche Erwärmung der Erdatmosphäre durch Treib- hausgase, ist eine Folge der Verbrennung fossiler Energieträger (Erdöl, Erdgas und Kohle). Aber seine tiefere Ursache ist die globale Nachfrage nach Konsumgütern. Denn erst deren Produktion erfordert massenhaft fossile Energie. Das Problem lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Jeder ausgegebene Euro verursacht im Schnitt ein halbes Kilogramm Treibhausgas (CO2 und Äquvalente). Der Weltklimarat (IPCC) gesteht jedem Erdenbürger einen Anteil an den globa- len Emissionen in Höhe von maximal 3 Tonnen Treibhausgas pro Jahr zu. Zur Zeit liegt dieser Wert bei 4,5 Tonnen, die Erderwärmung nimmt weiter zu. Die Deutschen steuern dazu pro Kopf 12 Tonnen Klimagase pro Jahr bei. In Indien entfallen auf jeden Einwohner nur 1,5 Tonnen. Die Mehrzahl der Men- schen dort lebt allerdings unterhalb der Armutsgrenze. Ich lebe schon lange umweltbewusst und seit einigen Jahren auch recht sparsam. Mit entsprechendem Optimismus gab ich daher meine persönlichen Konsumdaten in einen „Klima-Counter“ im Internet ein, um meinen Beitrag zum Klimawandel auszurechnen. Das Ergebnis war ein Schock: Trotz sparsamer Lebensführung, Einkauf im Bioladen, Car-Sharing usw. lag meine jährliche Klimabilanz bei 6 Tonnen – also doppelt so hoch wie vom IPCC gefordert! Immerhin lag ich fünzig Prozent unter dem Durchschnittswert … Meine weiteren Berechnungen ergaben, dass in unseren Breiten praktisch niemand den Wert von 3 Tonnen erreichen kann, ohne das Existenzminimum deutlich zu unterschreiten. Allein nicht zu verhungern, nicht zu erfrieren ein Dach über dem Kopf zu haben und deutscher Staatsbürger zu sein kostet schon rund 4 Tonnen. Der einzige Bereich, wo ich auf null Emissionen kam, war der Stromverbrauch (ich bin vor einigen Jahren auf Ökostrom umgestiegen). Mir dämmerte: Sparsamkeit allein reicht nicht. Um das Klima effektiv zu schützen, bräuchte es außerdem in allen Lebensbereichen eine umweltfreund- lichere Technologie. Aber die Technik, auf die wir heute angewiesen sind, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, basiert noch fast vollständig auf fossiler Energie. Klimaneutrale Methoden, um Häuser, Wärme, Kleidung, Essen usw. zu erzeugen, stehen bisher nur sporadisch zur Verfügung. Ich fing an, mich zu ärgern: Politikerinnen, Journalisten, Pfarrerinnen, Wissenschaftler oder Umweltaktivistinnen legen den Menschen immer wieder gerne die 3-Tonnen-Grenze des IPCC ans Herz. Aber niemand sagt, dass sie mit der heutigen Technik für die meisten eigentlich gar nicht erreichbar ist! Um die gewünschte Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen wirklich zu schaffen, bräuchte es zweierlei: Erstens eine Halbierung des heutigen Konsums. Zweitens eine nicht-fossile Technologie, die höchstens halb so viele Treibhausgase erzeugt wie die heutige. Freiwillige Selbstbeschränkung aufs Wesentliche (also Simple Living) kann, so meine Erfahrung, den persönlichen Konsum gegenüber dem Durchschnittswert locker halbieren, ohne dass man Lebensqualität einbüßt. Um dabei auch noch die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren, braucht man aber außerdem einen bewusst ökologischen Konsumstil. Denn wer beispielsweise billigt fliegt, erzeugt mit jedem ausgegebenen Euro etwa 10 kg Treibhausgas, was unter Klimaschutz-Aspekten völlig indiskutabel ist (bei einer Busreise entsprächen dem nur 250 g). Der Kauf von Biogemüse verursacht pro ausge- gebenen Euro 50 g Emissionen, der Kauf von Rindfleisch dagegen unter- irdische 1000 g. An solche Überlegungen knüpft meine Internetseite www.intelligenter-konsum.de an. Ihre Grundidee lautet: Durch bewussten, zurückhaltenden Konsum werden die eigenen Treibhausgas-Emissionen sofort reduziert; durch gezielte Nachfrage nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen und einen konsequenten Boykott all dessen, was schadet, kann die wirtschaftlich- technische Entwicklung nach und nach in die gewünschte Richtung gelenkt werden: weg von der fossilen Technologie, hin zu erneuerbarer Energie und nachhaltigen Gütern. www.intelligenter-konsum.de bietet dafür jede Menge konkrete Ratschläge. Für alle Alltagsbereiche gibt es Rechenbeispiele und Vorschläge, um die eigene Klimalast zu minimieren. Das reicht von Energie- spartipps für Strom und Heizung, klimagerechten Ernährungsinfos, optimierten Einkaufsstrategien und Vorschlägen fürs umweltverträgliche Reisen bis hin zu politischen Forderungen an Staat, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Links, Literaturtipps und eine Schablone für einen persönlichen Aktionsplan als Download ergänzen das Angebot. Die Klimakrise beweist (auf bedrohliche Art), was auch viele Simplifier denken und leben: Konsum und Wachstum sind jenseits vernünftiger Grenzen keine Quellen des Wohlstands mehr. Im Gegenteil, der übersteigerte Ressourcenverbrauch ruiniert mit der Zeit den ganzen Planeten! Kluge Selbstbeschränkung, wie sie im Simple Living verwirklicht wird, ist dagegen eine produktive Leistung. Sie nützt nicht nur den Einzelnen, sondern fördert auch das Allgemeinwohl, indem sie die Umwelt schont. Noch mehr dazu demnächst unter www.intelligenter-konsum.de ... Ango ----------------------------------------------------------------------- * Für euch entdeckt: Quitten Neulich kam mein Mann mit einem Sack an, den er von meiner Mutter be- kommen hatte. Drinnen waren apfelähnliche Früchte, die ich im ersten Moment als Glockenäpfel identifizierte und mal herzhaft reinbiß. Yugh! Was ist denn das? Bald wurde mir klar, dass das wohl Quitten sein mußten, vor allem da andere Exemplare noch etwas pelzig waren. So was mach man jetzt mit Quitten? Ich habe für euch gesurft, diskutiert und Bücher gewälzt. Hier meine Ergebnisse: Zunächst mal das Muss bei Quitte - die Marmelade 1 kg Quitte Gelierzucker etwas Zitronensaft Bei Gelierzucker könnt ihr sparen, die Quitte hat viel Pektin. Nun einfach kochen, bis die Gelierprobe gelingt. Schmeckt irgendwie nach Apfel und Rose zugleich. Ein himmlisches Vergnügen. Das wissen nun die Portugiesen auch und ihre Marmela de Marmelo hat seinerzeit der Marmelade den Namen gegeben (bitte stecke das keiner der EU - sonst darf in Zukunft nur noch Quittenmarmelade "marmelade" heißen). Marmela de Marmelo 2 kg Quitte(n), 1,3 kg Zucker, n. B. Wasser, 2 Stange/n Zimt, ½ Zitrone(n) 1 Prise Salz Quitten schälen, entkernen und in Würfel schneiden. Quitten in einen Schnellkochtopf geben und mit Wasser bedecken. Zimtstangen, Zitrone und eine Prise Salz hinzugeben und sprudelnd kochen lassen (mind. 10 Min bzw. bis die Quitten weich werden). Dann das ganze pürieren und zusammen mit dem Zucker in einem hohen Topf wieder zum Kochen bringen. Ab und zu umrühren, damit der Zucker schmilzt. Die Marmelade ist fertig, wenn man mit einem Holzlöffel umrührt und eine kurze Zeit den Boden des Topfes sehen kann. Beide Marmeladen harmonieren im übrigen ganz hervorragend mit Käse. Quittenbrot Wer jetzt viel Zeit hat kann auch Quittenbrot machen. Ein herrlicher Snack vor allem für Sporter, denn der Geschmack erinnert mich an so Trocken- früchtesnacks aus dem Supermarkt: Ich bin brav diesem Rezept gefolgt, die ganze Trocknerei war schon arg viel Arbeit: http://www.diaeten-sind-doof.de/rezepte/kraeuterhexe/quittenbrot.html * 1 kg reife Apfel-, Birnen-, oder Scheinquitten * 600 - 700 Gramm Zucker * 1 Zitrone (abgeriebene Schale und Saft) * 1/2 Teelöffel Ceylon Zimt * 1 Prise Nelkenpulver * 1 Prise Cardamon * 100 ml Apfelsaft oder Wasser Quitten gründlich abreiben, da sie einen zarten Flaum besitzen, waschen, Blüte und Stielansätze entfernen, in Stücke schneiden und im Apfelsaft (bzw. Wasser) weichkochen. Dauert ca. 30- 40 Minuten. Mit dem Passierstab oder Sieb ein Püree herstellen und mit der gleichen Menge Zucker und den Gewürzen unter ständigem Rühren bei leichter Hitze einen dicken Brei kochen. Vorsicht, brennt schnell an! Geduld ist gefragt: es dauert etwa 1 Stunde. Zum Schluss gibt man den Quittenbrei auf ein mit Backpapier ausgelegtes Kuchenblech und lässt ihn 3-4 Tage trocknen. Wer keine Geduld hat, kann das Quittenbrot auch für 2-3 Stunden in den Backofen schieben (bei etwas geöffneter Tür) bei ca. 120- 150°. Nach der Hälfte der Zeit das Brot wenden. Nach dem Trocknen wird das Quittenbrot in kleine Rauten geschnitten, evtl. noch in Puderzucker gewälzt, damit es nicht so klebt, und noch mal 1-2 Tage bei Raumtemperatur getrocknet. Und hier noch ein paar Rezepte, die ich noch nicht ausprobiert habe: Quitten in Essig 2 kg Quitten ,750 ml Essig, 750 ml Wasser, 500 g Zucker, 1 Zitrone 1 Stange/n Zimt, 1 TL Nelken, 1 TL Pfefferkörner Die Quitten waschen, schälen, entkernen und in Spalten schneiden. Den Essig mit Wasser, Zucker, der dünn abgeschälten Zitronenschale und den Gewürzen aufkochen, bis sich der Zucker gelöst hat. Die Quittenspalten hinzugeben und in etwa fünf Minuten weich kochen. Abgetropfte Quitten auf Gläser verteilen. Den Essigsud noch fünf Minuten kochen und heiß über die Quitten verteilen. Nach zwei Tagen den Sud abgießen, aufkochen und wieder über die Quitten gießen. Gläser sofort verschließen. ----------------------------------------------------------------------- * Projekt 2009: Manufaktur in Gründung (wenn aus DIY eine Zukunftsvision werden soll) Das Jahr 2009 habe ich als Jahr der vergessenen Künste ausgerufen und mit eurer Hilfe einige handwerkliche Fähigkeiten vorgestellt und vielleicht dem einen oder anderen eine handwerkliche oder handarbeitliche Tätigkeit wieder schmackhaft gemacht. Mein Ziel war es, einfach aufzuzeigen, dass eine eigene Tätigkeit sehr fruchtbringend sein kann und eine wahre Alter- native zum Kauf sein kann. Reto geht nun einen Schritt weiter und versucht auf Basis der Idee des Selbstbauers eine Vision des zukünftigen Wirtschaftens zu finden. Zunächst für sich selber, aber der Werkzeugkasten den er auf der Seite Manufaktur in Gründung erstellt kann durchaus als Modell und "Bauanleitung" für zukünftige Manufakturen (in Gründung) dienen. Seine Motivation ist eine Verhaltensänderung in Erzeugung und Konsum, die wie er glaubt über eine neue Form des Wirtschaftens auf Basis der Manufaktur- idee zu erreichen sein kann. Dass sich in Zukunft etwas ändern muss, wird wohl im Jahre 2009 keiner mehr bezweifeln. "Die auf uns zukommenden Um- wälzungen können wir kreativ-aktiv angehen oder reaktiv-ängstlich. [...] Diese Plattform (die Manufaktur in Gründung) möchte genau einen Beitrag zum ersten Anatz leisten. [...] Wir werden neue Formen der Zusammen- arbeit finden, neue Formen des Wirtschaftens, neue Formen der Nutzung dessen, was uns die Ere als Lebensgrundlage immer wieder anbietet." Ein Versuch eine so komplexe Idee zu entwickeln, bedarf intensiven Feed- backs und einer kreativen Zusammenarbeit, weshalb Reto die Seite: Manufaktur in Gründung http://manufakturingruendung.ch ins Leben gerufen hat. Der Ansatz ist schwer zu umreißen, weshalb ich für den Knauserer eine kurze Zusammenfassung der Ideen wagen möchte: Manufaktur ist die "veredelte" Form des Selbermachens. Man stellt physische Produkte regional und mit kurzen Transportwegen her, vieles ist in einer wenn nicht eigener Hand. Im Zentrum des Herstellungsprozesses der Manu- faktur steht der Mensch, der von Maschinen unterstützt wird. Der Mensch ist das Herzstück der Manufaktur (und nicht nur Produktionsmittel wie in heutigen Industrien), der Unternehmer wird wieder jemand der etwas unternimmt und nicht nur verwaltet. Die Manufaktur versucht reale fundierte Bedürfnisse zu befriedigen und sucht nicht das endlose Wachstum über jegliche Grenzen hinweg. Eine solche Struktur bietet Raum für aktives menschliches Schaffen und Tüfteln. Eine so verstandene Form der Erzeugung läßt natürlich auch Freiräume in Bezug auf Umgang mit geistigem Eigentum, Finanzierung oder Ansichten über Gewinn. Auch ein überdenken des Verhältnisses des Erzeugers zum Konsu- menten ist eine unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen einer neuen lokal und selbstkreativ arbeitenden Manufaktur. Eine Manufaktur in diesem Sinne produziert auch nicht mit Gewinn- absicht sondern um - wie es Reto sehr schön ausdrückt - "Lebensgrundlagen zu schaffen". Die Vision ist also ganz plakativ gesagt, dass man die benötigten Produkte wieder da produziert, wo sie konsumiert werden, wo die direkte Kommunikation zwischen Erzeuger und Verbraucher wieder stattfindet, auf Basis eines grundlegenden Wirtschaftens, das den ultimativen Gewinn nicht in der Bilanz sieht sondern dessen finanzieller Gewinn die Lebensgrund- lage des Erzeugers bildet und dessen immatrieller Gewinn die Aufwertung des Erzeugers als kreativ-handwerklich Schaffender ist. Reto geht sogar so weit, Manufakturen als postindustrielle Produktions- stätten zu bezeichnen. Neben der harten Arbeit einer Hinwendung zur Manufaktur eine Terminologie und einen "philosophischen" Unterbau zu erarbeiten, hat die Initiative Manufaktur in Gründung noch einen praktischen Ansatz, den Reto den Werkzeug- kasten genannt hat. Dieser Werkzeugkasten soll alles bereitstellen, was es für die erfolg- reiche Gründung eines kleinen Produktionsbetriebes braucht. Er soll Ant- wort geben auf die Fragen, welche sich auftun, wenn jemand lokal produzieren möchte, aber verbunden in einer weltweiten Community. * Geschäftsmodelle für freie Güter (Open Source Produkte), wobei der aus der Software stammende Begriff der Open Source auf handwerkliche Produkte ausgedehnt wird = eine Idee an der andere weiterbasteln * Vorschlläge und Ideen für Produkte mittlerer und angepasster Technologie * Hilfestellung zum Aufbau sozialer Netzwerke * neue Konzepte für das Verhältnis zwischen Produzent und Konsument All das liest sich noch recht sperrig und zeigt gleichzeitig, das Bemühen eines nimmermüden Projektleiters, den ich als Nachhaltigkeits-Blogger (http://nachhaltigbeobachtet.ch/) kennen und als Netzwerker und Ideengeber schätzen gelernt habe. Wer so eine Idee der neuen Manufaktur gut findet, ist auf http//manufakturingruendung.ch richtig, um dort die ersten Schritte einer guten und wichtigen Idee mitzubegleiten. Derzeit faßt die kleine Gruppe rund um Reto ein Treffen ins Auge: http://manufakturingruendung.ch/de/open_source_technology_camp Lest mehr dazu: Was ist eine Manufaktur? http://manufakturingruendung.ch/de/ein_paar_worte_zum_namen Wie wollen wir leben? http://manufakturingruendung.ch/de/wie_wollen_wir_leben Der Werkzeugkasten http://manufakturingruendung.ch/de/ziel_ii_der_werkzeugkasten Wie produziert und wirtschaftet die Manufaktur http://manufakturingruendung.ch/de/produktion_in_zukunft ----------------------------------------------------------------------- * ÜBER DEN ZAUN GEGUCKT: Knauserer in Frankreich und Dänemark und sonstwo Dass die Szene der Einfach-Leben-Gemeinschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz überschaubar ist, das wissen wir alle sehr genau. Es gibt ein paar Nester aufrechter Konsumreduzierer. Laßt uns doch mal über die Grenzen deutscher Landen schauen und gucken, was sich so im nahegelegenen Ausland tut. Ich habe zu diesem Zweck zwei Initiativen ausgewählt: eine Zeitung aus Frankreich, die sich "La Décroissance" nennt und das Dorf "Friland" in Dänemark "Décroissance" Politiker und Unternehmen aller Welt setzen alles aufs Wirtschaftswachstum. Die französischen Wachstumsverweigerer wollen jedoch das genaue Gegenteil: "Décroissance", Schrumpfung von allem was Stress produziert und die Umwelt kaputt macht. Für die Décroissance machen sich immer mehr französische Intellektuelle, Künstler, aber auch einfache Leute stark - doch die Mainstream- Medien berichten kaum über diese Bewegung. Dafür umso mehr die unabhängigen Zeitungen. Eine Gruppe von Lyoner Werbe-Gegnern, "Les casseurs de pub", gibt das auflagenstärkste Blatt von ihnen heraus. Die Zeitschrift "La décroissance, le journal de la joie de vivre" http://www.ladecroissance.net/ erscheint jeden Monat mit einer Auflage von über 40 000 Exemplaren. Wachstumsverweigerung - ein weites Feld. "La décroissance" steht für einen ganzen Gesellschaftsentwurf, der sich auf den ersten Blick in eine Reihe "Neins" übersetzen lässt: Nein zum Wirtschaftswachstum um seiner selbst willen, Nein zur Vergeudung, Nein zur Maßlosigkeit dessen, was ein durch- schnittlicher Europäer der Erde abverlangt - sprich: nein zum überpropor- tionalen ökologischen Fußabdruck, Nein zum Konsumwahn. Die Zeitung ist stark dem Umweltschutzgedanken verschrieben, vergißt aber nicht auch auf sarkastische Seitenhiebe auf die Konsumgesellschaft: "Jeden Monat haben wir die Rubrik 'Der Ramsch, den wir diesen Monat nicht kaufen'. (Anm. d. Red.: Die Idee hatten wir doch schon mal vor einigen Jahren!) Viel Ironie, aber auch gründlich recherchierte Dossiers zu politischen und Umweltthemen - und Denkansätze für eine neue Gesellschaft im Sinne der "Décroissance": universelles Basiseinkommen, radikale Arbeitszeitverkürzung, Relokalisierung der Wirtschaft. Das Magazin erinnert an frühe Vordenker wie Ivan Illich [4] und André Gorz [5] und gibt den heutigen Verfechtern das Wort: Wirtschaftswissenschaftlern, Politologen, Philosophen. Und einfachen Leuten, die schon mal anfangen, neue Ideen im eigenen Wohnzimmer umzusetzen: Schluss mit TV und Junkfood, neue Träume statt dem von Rolex und Jet Set. Es sind bevorzugt Zeitgenossen, die mitten in der Gesellschaft stehen. "Auszusteigen" sollte man sich in der heutigen Lage nicht mehr leisten, findet jedenfalls Sophie Divry (Redakteurin): "Wenn ein Sarkozy mit 37 Millionen Stimmen gewählt wird - und das mit einem Programm, dessen Inhalt ist: Ich gebe euch Geld, ich liebe Geld, ich repräsen- tiere das Geld - da reagieren natürlich manche Ökos damit, dass sie aufs Land ziehen, ihre kleine Kommune gründen und sagen: Meine Zeitgenossen können mir egal sein, die interessieren sich ja nur für ihr Auto und für ihr Einfami- lienhaus. Aber wir finden: So kann's auch nicht gehen! Wir haben ein gemeinsames Schicksal. Da sitzen sie auf dem Land und essen ihr Biogemüse und eines Tages führt eine Autobahn direkt an ihrem Garten vorbei. Oder nebenan explodiert ein Atomkraftwerk und da stellen Sie fest: Ja - ich lebe in der Welt, die mich umgibt." Leider ist mein französisch sehr bescheiden, vielleicht kennt aber der eine oder andere die Zeitung. Die Idee, dass man als Andersdenkender doch noch immer mitten in der Gesellschaft steht und sie zu gestalten hat, will man sie verändern, gefällt mir außerordentlich. "FRILAND" Ja die Dänen sind in manchen Dingen weiter wie wir (Man denke nur an Christiania.), deshalb war ich auch nicht verwundert, dass Friland sich in Dänemark entwickeln konnte. In Dänemark, in der Nähe von Århus gibt es ein kleines Dorf, an dem die Wirtschaftskrise scheinbar spurlos vorübergeht. Das Geheimnis: Mit Krediten von Banken will man dort nichts zu tun haben. Steen Moeller, Gründer von "Friland", umreißt die Grundidee von Friland: "Ich wollte frei sein von Hypotheken, das heißt keine Kredite von Banken oder Kreditinstituten, keinerlei Abfall produzieren und keine Unterstützung vom Staat erhalten. Auf diese Weise wollte ich den Staat ganz loswerden." Die zentrale Idee von Friland ist die Schuldenlosigkeit, die die Kommunenmit- glieder in die Lage versetzt ihrem Leben eine andere Richtung als die alther- gebrachte zu geben. Natürlich zieht eine solche Idee "FReidenker" an und so wird architektonisch, energietechnisch etc. wild herumexperimentiert. Die Friländer nutzen ihre niedrigen Fixkosten aber nicht, um Geld auf die hohe Kante zu legen, sondern um weniger zu arbeiten. Die Väter bleiben mehr zu Hause und kümmern sich um die Kinder. So hat auch Steen Möller als Alleinerziehender mehr Zeit für seine Tochter. Weitere zentrale Ideen in Friland sind auch intensives Wassersparen. Auf http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/euroblick/euroblick-2009-09-06-daenemark-friland-ID1252105307968.xml könnt ihr Nachlesen, wie ausgeklügelt Steen sein Brauchwasser wiederverwendet und dabei auch ungewöhnliche Wege geht. Natürlich sind die Friländer auch der Selbstversorgung verschrieben. Und die Energie liefern, zumindest teilweise, Wind und Sonne. Auch wenn nicht immer alles so läuft wie es sollte. Der Strom für die Waschmaschine kommt dann halt eine Weile aus dem öffentlichen Netz. Aber das sehen die Friländer auch nicht so verbissen. Und ganz groß geschrieben wird auch die nachbarschaftliche zusammenarbeit. Friland ist eigentlich ein Dorf im althergebrachten Sinne, wo noch jeder jedem hilft. Ich habe den Beitrag seinerzeit im Bayern-Fernsehen gesehen und muss sagen, dass Herr Moeller zwar sehr idealistische Ideen hat, aber doch nicht so ein weltfremder Spinner ist, wie so viele, die aussteigen. Sein Konzept ist ausge- klügelt und die zentrale Idee der Schuldenlosigkeit einer Gemeinschaft ein neuer Aspekt für ein Zusammenleben, den ich nur unterstreichen kann. Wie ihr seht! Die internationale Gemeinschaft der einfach Lebenden lebt und ist aktiv. Es gibt gute und aktive Ideen. Wer weitere gute internationale Initiativen kennt, her damit. Das gibt Mut! Mailadresse: info(at)derknauserer.at ----------------------------------------------------------------------- * Gedanken von Helga zu Auto und Glücklichsein Ich habe eine Überlegung zum Thema "Leben ohne Auto", die für Knauserer sicher interessant ist und zwar das Thema "Günstiger wohnen" versus "ohne Auto oder mit nur einem Auto auskommen". Ich wohne in Frankfurt am Main, und hier ist es nicht schwierig, ohne Auto auszukommen, da das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln hervorragend ist. Auch im unmittelbaren Umland (im sogenannten "Speckgürtel") sind die Verkehrsanbindungen noch hervorragend. In den letzten Jahren sind nun etliche Freunde von mir, als sich der Nachwuchs einstellte, von der Mietwohnung in der Stadt ins Reihenmittelhaus gezogen. Die Wahl für den Standort fiel dabei unterschiedlich aus: einige wählten das stadtnahe, aber teurere Haus, kommen daher für die Familie mit einem Auto aus. Andere zogen weiter nach außerhalb und brauchen nun wegen der schlechten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel dauerhaft zwei Autos. Letztere sagten sogar, dass sie ja viel lieber stadtnah wohnen würden, aber das könnten sie sich nicht leisten, daher entschieden sie sich für das Reihenmittelhaus im weiteren Umland. Nun glaube ich, dass sich kaum jemand in vergleichbarer Situation ausrechnet, ob sich die Entscheidung "stadtnahe Immobilie + 1 Auto" versus "weiter entfernte Immobilie + 2 Autos" rechnet. Setzt man nämlich die monatlichen Kosten für den Zweitwagen mit 400 EUR an, so könnte man dieses Geld ja auch genauso gut in eine teurere Immobilie stecken. 400 EUR mehr Immobilienrate pro Monat macht 4800 EUR mehr für die Immobilie pro Jahr. Nimmt man an, dass Zins und Tilgung zu- sammen 7% sind, dann könnte man sich anstatt eines Autos auch genauso gut eine 68.500 EUR teurere Immobilie leisten (7% = 4800 EUR, 100% = 68571 EUR). Selbst in einem teuren Ballungsgebiet wie Frankfurt am Main macht dieser Betrag schon oft den Unterschied zwischen einer stadtnahen und einer weiter entfernten Immobilie aus. Und da das Autofahren in Zukunft sicher nicht billiger werden wird, fällt die Rechnung womöglich noch mehr zu Ungunsten des Zweitautos aus. Die Zeit, die man aufgrund längerer Wege zu Arbeitsplatz, Kindergarten, Schule, Einkaufen sowie Freizeitaktivitäten der Familie zusätzlich benötigt, rechnen viele Leute auch nicht mit. Natürlich gibt es auch viele Leute, die die ruhige Wohnlage schätzen und daher bereit sind, weitere Wege zurückzulegen, aber bei meinen Freunden war es ja so, dass sie lieber stadtnah wohnen geblieben wären, aber meinten, es sich nicht leisten zu können. Hier ein paar Gedanken zum Thema Glück und wie es bei einem Knauserer damit aussieht. Neulich las ich das wirklich sehr gute Buch "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück" (ein Roman von Francois Lelord - siehe Buchtipps http://www.derknauserer.at/buch1.php), wo der Psychiater Hector untersucht, was Glück ausmacht. Dabei spricht er auch mit einem renommierten Glücksforscher, der Hectors Beobachtungen bestätigt, dass es nämlich im Wesentlichen folgende Glücks- determinanten gibt (ohne Wertung der Reihenfolge): - Liebe/Partnerschaft - Familie - soziales Umfeld, Freunde - Geld - sozialer Status - Gesundheit - erfüllende, sinnvolle Tätigkeiten (Beruf, Hobbys) Zu jedem dieser Punkte, aber besonders beim Punkt "Geld" und "sozialer Status" bestimmt sich das Glück auch durch folgende Vergleiche: - das, was man jetzt hat, gegenüber dem, was man früher einmal hatte - das, was man jetzt hat, gegenüber dem, was man gerne hätte - das, was man jetzt hat, gegenüber dem, was andere haben Der Knauserer zeichnet sich nun dadurch aus, dass die letzten beiden Vergleiche anders ausfallen als bei vielen mehr konsumorientierten Menschen, bei denen diese Vergleiche oft eine Quelle für Unzufriedenheit sind. Der Knauserer hingegen vergleicht seine momentane Situation nicht mit anderen und auch nicht mit dem, was er nicht hat. Die persönliche Wertigkeit der oben stehenden Glücksfaktoren ist indi- viduell unterschiedlich, aber für den Knauserer sind die beiden Faktoren Geld und sozialer Status mit Sicherheit niedriger als bei vielen anderen Menschen, dafür ist die Wertigkeit von Faktoren wie Familie, Partnerschaft, soziales Umfeld, Gesundheit und eine erfüllende/sinnvolle Tätigkeit sicher höher als bei den eher konsumorientierten Menschen. Die Frage lautet daher, ist der Knauserer glücklicher als andere Men- schen? Nicht unbedingt, aber zumindest stellen die Bereiche Geld und sozialer Status meist keine Quelle des Unglücks für den Knauserer dar, da der Knauserer sich freiwillig und aus Überzeugung zu einem nicht- konsumorientierten Leben entschlossen hat. ----------------------------------------------------------------------- * Mit kleinen Tipps viel Sparen: INTERNETTIPP: http://die-ueber-lebens-kuenstlerin.blogspot.com/ Wieder mal ein schöner Blog zum Thema. KATZENKRANKHEITEN (von Anette, die gerade dabei ist ihren Katzen eine Apotheke zusammenzustellen) > .... aber die erwähnten getrockneten Heidelbeeren > helfen eben auch bei Durchfallkatzen, man muss sie mörsern, nur > getrocknet nehmen meine Tiere sie nicht. > > Auch Stiefmütterchentee oder Sud könnte hilfreich sein bei > Katzenakne,... > ich verwende Backpulver als WC-Reiniger, schön über Nacht ein > Päckchen einwirken lassen dann streue ich 1Päckchen davon ins Katzenklo, > dann stinkt es viel > weniger.. > und (ich habe immerhin 6 Katzen) bei Katzen mit Kinnakne verwende ich > es, einfach auf einen Wattebausch geben und einreiben, es hilft. ÖL- UND TEERFLECKEN (von Heidi) Mir fällt noch ein Tip ein, den habe ich schon vor 30 Jahren von einer alten Nachbarin erhalten.Öl- und Teerflecken bekommt man raus, wenn man sie vor dem ersten Waschen mit Margarine einreibt, die Margarine ein wenig einwirken lassen. Nein es gibt dann keine neuen Flecken. ----------------------------------------------------------------------- Für den Knauserer 12/2009 sind folgende Themen geplant. Ich werde diese Themen im Diskussionsforum auch zur Diskussion stellen. E-Mails mit euren Tipps und Meinungen sind aber auch herzlich willkommen. * Weihnachten 2009 - * Knausern für ganz Eilige (Gutes + Sparsames gekocht in 10 Minuten) * Projekt 2009: IDEEN-Projekte zum Selbermachen - diesmal ganz BIO * Eine kunterbunte Spartippkiste von Sigrid * Treffpunkt bei Facebook - ein kleiner Guide * Mit kleinen Tipps viel sparen Forum: http://www.derknauserer.at E-Mail: mailto: info@derknauserer.at ----------------------------------------------------------------------- Impressum: Der Knauserer ist ein kostenloses E-Zine, das ca. 12mal jaehrlich erscheint. Herausgeber: Michaela Brötz, info@derknauserer.at - www.derknauserer.at